Wie Granit Vergangenheit und Zukunft überbrückt.

INSIGHT: Maria-Ward-Brücke

Geländer mit floralem Muster

Wie Granit Vergangenheit und Zukunft überbrückt.

Schulweg. Fluss. Schloss. Auf die Insel im Inn führt seit Jahrhunderten der Weg über das Wasser. 2013 riss das Hochwasser diese Verbindung auf. Was folgte, war mehr als ein Ersatzbau: Es entstand ein Bauwerk, das den Charakter des Ortes bewahrt und gleichzeitig zukunftsfähig macht. Realisiert wurde das Projekt mit Unterstützung durch eine Förderung von Bund und Freistaat Bayern[1].  Naturstein war keine ursprüngliche Vorgabe. Aber als die Anforderungen klar waren, führte kein Weg an ihm vorbei. Die Wahl fiel auf Tittlinger Feinkorn aus dem nahegelegenen Steinbruch Höhenberg. Granit ist auch in Neuhaus am Inn tief verankert – geologisch wie kulturell. Eine Verbindung, die passt.

Das helle, homogene Material, Tittlinger Feinkorn fügt sich ins Ensemble. Es bleibt beständig, auch ohne Oberflächenbeschichtung.

Zwischen Denkmal und Zukunft

Belastungstest einer Granitbrücke mittels schweren BigbagsEin Feuerwehrfahrzeug das über die Granitbrücke vor einem Schloss drüber fährtVorherbild der Brücke vor dem Schloss Neuhaus am Inn

Die Anforderungen hätten kaum gegensätzlicher sein können: Auf der einen Seite der Schutz eines denkmalgeschützten Ensembles, auf der anderen Seite regelmäßige Überflutungen und die Forderung nach voller Funktionalität für Einsatzkräfte – mit einer Traglast, die auch 20 Tonnen schwere Fahrzeuge sicher überführt.  

Wagmann Ingenieure [2] haben diesen Spagat mit technischer Konsequenz und gestalterischem Feingefühl gemeistert. Das gesamte Vorhaben wurde vom Denkmalschutz kritisch begleitet. Die Elastomerlager mussten zwingend auf den denkmalgeschützten Pfeilern aufliegen, weshalb diese steinmetzmäßig saniert wurden. Die neue Konstruktion wurde so bemessen, dass sie auch im Hochwasserfall in Lage bleibt.

Drei Felder - Eine Linie

Geländer einer Brücke mit einem modernen Gebäude im HintergrundDetail view of a bridge pier integrated into the castle structureBrückenpfeiler aus Naturstein

Die Brücke besteht aus drei Einfeldträgern, die hintereinander aufgereiht sind. Der vorgespannte Granit überbrückt so die gesamte Strecke mit ruhiger Geometrie. Der Überbau ist nur 30 cm hoch. Diese Schlankheit reduziert den Anstau im Hochwasser und bringt visuelle Leichtigkeit. Die vorgefertigten Elemente wurden innerhalb weniger Tage montiert. Für den Schulbetrieb gab es eine Behelfsbrücke. Planung, Ausführung und Koordination – insbesondere durch den Bauherrn, die Maria-Ward-Schulstiftung Passau [3] – liefen so verlässlich, wie es sich jede Kommune wünschen würde. Zwei Kräne, drei Träger, eine Woche.

Gestaltung mit Funktion

Close-up of the railing installation on a granite bridgeBridge railing at sunset

Das Geländer greift mit einem floralen Muster die Umgebung auf. Entworfen wurde es gemeinsam mit Architekt Walter Schwetz[4]. So entsteht ein leiser Dialog zwischen Alt und Neu. Technisch wurde eine Sonderlösung umgesetzt: Das Geländer ist seitlich gesteckt und oberflächlich befestigt. Im Hochwasserfall kann es in kurzer Zeit entfernt werden. Die Demontierbarkeit war ein zentrales Kriterium für die Genehmigung und zeigt, wie gestalterische Mittel funktional durchdacht sein können.

Wir wollten eine Brücke die sich in die bestehende Infrastruktur einfügt und eine Verbindung zum neuen Schulkomplex schafft.

Dipl.-Ing. Hans Jörg Wagmann Geschäftsführer
alter Brückenpfeiler der Grantibrücke vor Schloss Neuhaus am Inn
Restaurierter Brückenpfeiler aus Naturstein

Die Eingriffe in die historische Substanz blieben auf ein Minimum reduziert.

Die neue Brücke steht für etwas Größeres:
Dass Unterricht stattfindet, auch wenn der Pegel steigt.
Dass Infrastruktur sich einfügen kann.
Dass eine Gemeinschaft bereit ist in die Zukunft zu investieren.

Alltagstauglich

Granitbrücke über einen Grab mit natürlicher BepflanzungRadwegbrücke in einer ländlichen Umgebung und einer Strassenlaternenatürlicher Bachlauf mit Granitbrücke

Rund 700 Menschen überqueren die Brücke täglich. Ein Schulweg, der immer offen ist und ein Bauwerk, das zum Vorbild wurde: Drei weitere Brücken nach dem gleichen Prinzip wurden für die Renaturierung und Neugestaltung der Innlände bereits realisiert, und zeigt welche Vorteile das System aus Granit hat.

1     Förderung: Bundesrepublik Deutschland und Freistaat Bayern – Programm zur Wiederherstellung der vom Hochwasser 2013 geschädigten Infrastruktur in den Gemeinden

2     Planung und Tragwerk: Wagmann Ingenieure GmbH 

3     Bauherr: Maria-Ward-Schulstiftung Passau

4     Gestalterischer Entwurf (Geländer): Architekt Walter Schwetz, Passau

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